75 Jahre Kreismusikschule Bautzen – Eine musikalische Erfolgsgeschichte & ein Stück Heimat
Die Kreismusikschule Bautzen feiert im Jahr 2026 ihr 75jähriges Jubiläum. Seit 1951 prägt sie das kulturelle Leben im Landkreis und begleitet seither Generationen von Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf ihrem musikalischen Weg. Für viele Menschen ist sie weit mehr als nur ein Ort des Unterrichts.
Wie sehr die Kreismusikschule Lebenswege prägt, zeigen zwei ihrer Lehrkräfte: Anja Konjen und Sabine Kowollik. Beide begannen hier bereits als Kinder mit dem Unterricht – und kehrten nach dem Studium als Pädagogen zurück.
Frau Konjen, Frau Kowollik – erinnern Sie sich noch an Ihre ersten Stunden an der Musikschule?
Anja Konjen: Ja, sehr gut. Da ich nicht nur den Instrumentalunterricht an meinem Instrument hatte, sondern auch im Chor sang und so mit vielen gleichaltrigen Kindern musizierte, merkte ich schnell, wie vielfältig Musik sein kann. Es entstanden viele Freundschaften und die Musikschule wurde für mich ein zweites Zuhause. Hier durfte ich wachsen – musikalisch und persönlich.
Sabine Kowollik: Besonders die Ensemblearbeit hat mich geprägt. Dieses gemeinsame Musizieren hat mir gezeigt, wie verbindend Musik sein kann.
War für Sie beide früh klar, dass Sie selbst unterrichten möchten?
Kowollik: Der Wunsch ist mit den Jahren gewachsen – auch durch die Vorbilder, die ich hier hatte.
Konjen: Im Studium wurde mir bewusst, dass ich die herausragende Qualität meiner Ausbildung an der Kreismusikschule gerne weitergeben möchte. Die Begeisterung für die Musik an Kinder und Jugendliche weiterzugeben, wurde mir zum sinnstiftenden Anliegen. Und das an der Bautzener Musikschule mitzugestalten, ist etwas Besonderes.
Frau Kowollik, Sie unterrichten Blockflöte, Frau Konjen, Sie geben Klavierunterricht. Und wie alle Lehrkräfte sagen Sie immer: „Es ist nie zu spät, ein Instrument zu lernen.“ Aber ab welchem Alter können Kinder eigentlich ein Instrument lernen?
Kowollik: Das ist sehr verschieden. Neben bestimmten körperlichen Anforderungen sind die Fähigkeit zur Konzentration im Unterricht und die Bereitschaft zum Üben wichtig. Inzwischen gibt es für fast alle größeren Instrumente auch „Kinderinstrumente“ (zum Beispiel für Fagott oder Kontrabass). Diese können für den Anfangsunterricht genutzt werden. Mein Tipp: Am besten am „Tag der offenen Tür der Kreismusikschule“ ausprobieren und sich von den Lehrkräften beraten lassen!
Konjen: Ganz genau! Die meisten Schülerinnen und Schüler beginnen in der Regel mit dem Instrumentalunterricht in der ersten oder zweiten Klasse. Das ist ein sehr guter Zeitpunkt für das Erlernen eines Tasteninstruments. Aber natürlich gibt es auch Kinder, die schon im Vorschulalter mit dem Unterricht starten.
Und wie muss man sich den Unterricht bei Ihnen konkret vorstellen?
Kowollik: Im Anfangsunterricht, der oft schon im Vorschulalter beginnt, ist es mir wichtig, dass spielerisch erlernte Griff- und Rhythmusbausteine so schnell wie möglich in das Spiel von bekannten Melodien und Liedern münden. Größere Schüler erarbeiten Literatur verschiedener Zeitepochen, erhalten Hintergrundwissen und werden ihren Neigungen entsprechend zu selbstständigem Musizieren, auch in Ensembles, vorbereitet und ermutigt.
Konjen: Neben Grundlagen und Spieltechniken für das Instrument ist es mir wichtig, allen auch die Schönheit der Musik nahezubringen. Jeder und jede Lernende besitzt eine spannende Persönlichkeit, die es gilt zu entdecken. Und: Ich möchte sie in einer sehr prägenden Lebenszeit wertschätzend und stilbildend begleiten. In meinem Unterricht gibt es Raum für Lieblingssongs, Zusammenspiel mit anderen Instrumenten und – ganz wichtig – auch mal das ganz persönliche Gespräch bei dem ein oder anderen Kummer oder Ärger.
Was hat sich in den vergangenen Jahrzehnten in der Kreismusikschule verändert?
Konjen: Natürlich Einiges! Nicht nur das Angebot ist vielfältiger geworden. Wir nutzen heute moderne, neue pädagogische Konzepte, greifen Entwicklungen auf, und behalten dennoch die Qualität der musikalisch-fachlichen Ausbildung im Fokus.
Kowollik: Und die Bandbreite der Unterrichtsliteratur ist in letzter Zeit enorm gewachsen und ermöglicht eine immer individuellere Förderung unserer Schüler sowohl im Solo- als auch im Ensemblebereich.
Und im Rückblick auf 75 Jahre: Was waren ganz besondere Momente, die Sie vielleicht heute noch berühren?
Kowollik: Unvergesslich wird mir das Festkonzert zum 60-jährigen Jubiläum der Musikschule mit aktuellen und ehemaligen Schülern und Lehrkräften bleiben, das in eine „Domnacht“ mündete. Bis Mitternacht tönte es aus allen Ecken und von den Emporen des Bautzener Domes.
Konjen: Ja, daran denke ich auch sehr gern zurück, aber auch an so viele tolle Sommer- und Weihnachtskonzerte. Das Gedenkkonzert im letzten Jahr für die inzwischen verstorbene langjährigen Musikschulleiterin, Doktor Magdalene Kemlein, war auch etwas ganz Besonderes. Für meinen Fachbereich fallen mir die beiden wunderbaren Projekte ein: „Tastenklangwelt“ und unser jüngstes Format: „Die Baumhauskinder“ ein. Und natürlich sind auch die Momente der jährlichen Wettbewerbsrunden unserer Teilnehmer beim Musikwettbewerb „Jugend musiziert“ sehr berührend und unvergesslich.
Kowollik: Und dann gibt es die Begegnungen mit ehemaligen SchülerInnen, die erzählen, wie und wo sie ihr Instrument weiterspielen, oder die inzwischen schon wieder ihre eigenen Kinder in unseren Unterricht bringen.
Konjen: Ganz genau: Mitzuerleben, wie aus kleinen Kindern Musikerpersönlichkeiten werden, die das Publikum durch den Vortrag in ihren Bann ziehen, ist einfach großartig!
Und zum Schluss: Was wünschen Sie persönlich der Musikschule zum 75. Geburtstag?
Konjen: Dass sie als Ort der Bildung, des Austausches und der kulturellen Teilhabe in der Region stets die Menschen zusammenbringt, weiterhin Talente entdeckt und ideologiefrei und status-unabhängig fördert.
Kowollik: Und dass sie auch in Zukunft ein Ort bleibt, an dem Musik begeistert.
Vielen Dank.