Chronik der Kreismusikschule – Ein Blick zurück bis in die 1920er Jahre
Die Anfänge der heutigen Kreismusikschule Bautzen lassen sich bis in die frühen 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts nachverfolgen. In dieser Zeit hatte die musische Ausbildung an den Lehrerseminaren in Sachsen eine große Bedeutung. Schon zwischen 1922 war das damalige „Landesständische Seminar“ bzw. die „Landesständische Oberschule“ im heutigen Berufsschulzentrum auf den Schilleranlagen im Bautzen untergebracht.
Der Bau des „Landesständischen Seminars“ im Jahr 1892 wurde bereits auf den Musikschulunterricht ausgelegt. Neben normalen Klassenzimmern gab es kleine Räume, die mit einem Flügel oder einem Klavier ausgestattet waren. In der Aula standen zwei Konzertflügel für vier- und achthändiges Spiel und eine Orgel. Im alten Speisesaal unter der Aula befanden sich ebenfalls ein Flügel und eine Orgel. Zwei kleine Übungsorgeln standen im Erdgeschoss beidseits des Ausgangs in den Schulhof.
Der Gesangsunterricht von zwei Stunden wöchentlich für die Klassen Sexta und Quinta und einer Stunde ab Quarta bis Oberprima enthielt: Stimmbildung im Sprechen und Singen, Notensingen und Diktat, Musiklehre, Liedgesang, Formenlehre sowie Musikgeschichte. Ab Quarta kam wöchentlich eine Stunde Chorgesang hinzu. Ab Quinta war wahlfrei eine Stunde Klavier oder Violine möglich, ab Untersekunda Orgelunterricht.
Die Chormusik war 1922 noch reine Männersache. Mit dem Aufbau der „Landesständischen Oberschule“ stieg die Zahl der Mädchen. Etwa 1924 wurde der wohl erste gemischte Chor der heutigen Kreismusikschule geründet, der eine respektable Größe vorzeigen konnte: 50 Soprane, 40 Altstimmen, 38 Tenöre und 42 Bässe bildeten den Chor.
Der Sologesang begabter Musikschüler gehörte zum Musikleben der Schule. Auch bei Veranstaltungen der Stadt hatten diese Gelegenheit, ihr Können vorzuführen. Das Schulorchester wurde nur zu besonderen Anlässen gebildet und bekam vom Stadttheater Verstärkung für Instrumente, die an der Schule nicht gelehrt wurden.
Während der Kriegsjahre verlieren sich die Aufzeichnungen. Die Kreismusikschule nimmt gern Hinweise unter willkommen@kms-kvhs-bautzen.de entgegen.
1951 wurde die heutige Kreismusikschule als „Volksmusikschule“ gegründet, angegliedert an die Abteilung „Volksbildung“. Gründungsdirektor war Werner Uhlmann. Zu dieser Zeit gab es ausschließlich die Fächer Violine und Klavier.
1952/53 wurden an der Kreismusikschule 100 Schüler in den Fächern Gitarre, Mandoline, Blockflöte und Akkordeon unterrichtet. Gleichzeitig entstanden „Volksmusikschulen“ in Löbau, Bischofswerda, Kamenz und Ebersbach. Diese wurden 1954 zu Außenstellen der „Volksmusikschule Bautzen“. Von Beginn an gab es für alle Schüler die Unterrichtsfächer: Hauptfach, Musiklehre und Gemeinschaftsmusizieren.
1956 lernen bereits 550 Instrumentalschüler und 100 Schüler in Vorbereitungsklassen an der heutigen Kreismusikschule.
Ab 1961 bis 1984 übernahm Jurij Winar (sorbischer Komponist, Dirigent und Musikpädagoge) die Leitung der nun in „Musikschule“ umbenannten Einrichtung. Er führte eine gute Mischung aus leistungsorientierter Talentförderung und musikalischer Breitenbildung ein. In dieser Zeit entwickelte sich eine rege Zusammenarbeit mit vielen sorbischen Institutionen, dem Kulturbund, dem Komponistenverband und vielen anderen.
1958 wurde Dr. Magdalene Kemlein als stellvertretende Direktorin der Musikschule berufen. Sie hat die Musikschule mit ihrem Blick fürs Ganze entscheidend geprägt, hat Hunderten von Schülern in der Musikalischen Grundausbildung und in der Musiklehre den Zugang zur Musik eröffnet. Dabei stand das Singen immer im Mittelpunkt.
Ende der 60er Jahre wurde die Musikalische Vorschulerziehung in den Musikschulunterricht integriert. Darüber hinaus wurden in dieser Zeit die Sologesangsausbildung und die Amateurtanzmusik in die Ausbildung aufgenommen. In den 70er Jahren setzte sich Jurij Winar stark für den Erhalt der Chöre ein, die damals auf Anweisung abgeschafft werden sollten.

1984 übernahm Hellmut Hübner die Leitung der Musikschule, kurz darauf (1985) wurde Ulrich Garnys Direktor der Musikschule. In dieser Zeit zog die Musikschule Bautzen in rekonstruierte Gebäude auf der Äußeren Lauenstraße 40 in Bautzen um.
In den 80er Jahren existierten bereits langjährige, gute internationale Beziehungen des Jugendblasorchesters (Außenstelle Crostwitz) und des Mädchenkammerchors (Leitung Dr. Magdalene Kemlein) zu tschechischen Blasorchestern und Chören. Nun kammen auch Kontakte zu polnischen Musikschulen hinzu.
1987 erhielt der Mädchenkammerchor der Musikschule Bautzen den 1. Preis beim zentralen Chorfest der DDR, das in jenem Jahr letztmalig ausgetragen wurde. Der Mädchenkammerchor hatte zwischen 1952 und 1998 mehr als 30 anspruchsvolle Auftritte in Inszenierungen des Deutsch-Sorbischen-Volkstheaters, u. a. in der „Zauberflöte“ von Mozart oder in der Kinderoper „Krabat“ von Bresgen/Preußler.
1988 übernahm Helga Schwarz die Leitung der Musikschule. Mit Mut und Geschick lenkte sie die Musikschule Bautzen durch die Zeiten der politischen Wende.
1990 wird Charlotte Garnys zur Leiterin der Musikschule ernannt. Margitta Luttner bekommt 1991 das Amt der stellvertretenden Direktorin von Dr. Magdalene Kemlein übertragen. In dieser Zeit wurden die seit 1953 zur Musikschule Bautzen gehörigen Außenstellen den zwischenzeitlich geschaffenen Kreisen zugeordnet. Durch die Kreisreform wurde die Musikschule Bischofswerda wieder an die Musikschule Bautzen angeschlossen.
1996 benannte sich der Landkreis Westlausitz-Dresdener Land um in Landkreis Kamenz. Der Standort der Musikschule in Radeberg ordnete sich organisatorisch zur Musikschule Kamenz.
1999 wurden erstmals sogenannte Spatzenkurse für Kinder zwischen eineinhalb und vier Jahren angeboten. Im gleichen Jahr zog die Musikschule Bautzen in die für sie rekonstruierten Räume im Beruflichen Schulzentrum für Wirtschaft.
Zwischen 1990 und 2001 wächst die Musikschule von 655 Schülern auf 1.740 Schüler.
Bereits im Jahr 2003 entstanden die ersten Gedanken für einen Neubau der Musikschule in Bautzen. Charlotte Garnys und Margitta Luttner engagierten sich gemeinsam mit dem Lehrerkollegium stark dafür. Durch den damaligen Landrat Michael Harig und unter der Beteiligung des Kreistages wurden dafür Fördermittel bei der sächsischen Regierung beantragt. 2023 wurde der Förderantrag durch die SAS bewilligt. Das Bauvorhaben auf der Tzschirnerstraße in Bautzen konnte beginnen.
2008 wurde aus den Landkreisen Bautzen und Kamenz der heutige Landkreis Bautzen. Nun gehörten die Musikschulen in Kamenz und Radeberg und die Musikschule Bautzen zusammen. Neben diesen Hauptstandorten ist die Kreismusikschule in zahlreichen Gemeinden im gesamten Landkreis vor Ort tätig. Aufgrund ihrer Vorgeschichte als kreisfreie Stadt bildet die Stadt Hoyerswerda hier eine Ausnahme.
2023 wurde der kommunale Eigenbetrieb des Landkreises neu organisiert. Kreismusikschule und Kreisvolkshochschule bilden nun zwei fachliche Bereiche eines Betriebes. Der Betrieb wird von Silke Schlegel geleitet. Die fachliche Leitung der Musikschule hat seit 2025 Camilla Jende inne.
Im Mai 2024 fand der symbolische Spatenstich für den Neubau der Kreismusikschule an der Tzschirnerstraße in Bautzen statt, im November des gleichen Jahres wurde die feierliche Grundsteinlegung begangen.
2025 konnte bereits das Richtfest des Neubaus gefeiert werden. Zuvor wurde bei den Bauarbeiten überraschend eine Zeitkapsel aus dem Jahr 1968 gefunden. In diesem Jahr zählte die Kreismusikschule mit den Standorten Bautzen, Kamenz und Radeberg ca. 2.800 Schüler.
Die jahrelange engagierte Förderung von Begabten bringt bis heute großartige Ergebnisse: viele Musikschüler verlassen die Kreismusikschule, um ein Studium aufzunehmen. Sowohl bei Bezirks- und Republikvergleichen in der DDR als auch bei den heutigen Regional-, Landes- und Bundeswettbewerben erzielen Schüler der Kreismusikschule regelmäßig beste Ergebnisse.
Quellen: Bautzner Kulturschau 1/91, Kreismusikschule Bautzen, Landkreis Bautzen